Donnerstag, 19. Januar 2012

06.01. Delhi

Red Fort
Ich buche einen Zug für den nächsten Tag nach Agra um das Taj Mahal anzusehen. Danach beschäftige ich mich erneut mit dem Metro-System und besuche das rote Fort.


Restauration am Fort

Flanieren am Fort

Details am Fort

Die Blumen sind aus verschiedenfarbigen Steinen hergestellt.


Dieser Ort bietet wieder einen sehr guten Audioguide und ich wandere recht ausführlich durch die verschiedenen Punkte. Ein Teil des Forts wird weiterhin militärisch genutzt und ich wandere über eine Brücke über einige Gleise in den Teil des Forts der noch Militärisch genutzt wird. Überall Soldaten – nirgends Touristen. Ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher ob das Ort wirklich öffentlich zugänglich ist und drehe unverrichteter Dinge um. Das wiederum veranlasst einen der Militärs dazu mich anzusprechen und zu fragen, warum ich mir die Ausstellungen in den Gebäuden nicht angesehen habe. Ich zeige mich überrascht von dem Angebot, drehe brav wieder um und schaue mir 4 Barracken mit Fotos wichtiger Militärs an. Juhuuuu – da wird man als Tourist schon fast zwangsverpflichtet.

Der Bazaar
Danach durchstreife ich eine Gegend mit vielen engen Gassen in denen Handel getrieben wird. Gewürze, Obst, Hochzeitsartikel.



Eine Mosche liegt noch auf dem Weg und wird besichtigt.



Zum Abend besteige ich wieder die Metro und fahre zurück in mein Hotel.

Abendessen
Das heutige Abendessen verzögert sich etwas weil ein komischer Typ mir kontinuierlich hinterherläuft und mir alle möglichen Sachen verkaufen will. Er kennt dabei keine Form von Nein. Extrem anstregend. Irgendwann habe ich es geschafft. Beim Essen treffe ich einen Franzosen der als Fotograf in Afghanistan arbeitet. Er ist Freiberufler und lebt seit 14 Jahren davon sein Fotos aus Krisengebieten an französiche Magazine zu verkaufen. Die Hälfte eines jeden Jahres verbringt er in Genf wo er eine kleine Wohnung hat. Das Leben in Europa finanziert er dadurch das er für die Vereinten Nationen arbeitet – das heisst er muss jeden Monat ein Foto an die Vereinten Nationen liefern. Nach einigen Monaten in Afghanistan wiederum muss verbringt er einige Zeit in Delhi um neue Visa etc. zu beantragen. Ein Leben auf Achse.

In der Bar
Eine Bar ist die Zuflucht vor dem immer noch aufdringlichen komischen Typen. Dort gibt es in Bier und man bekommt ähnlich einem Restaurant einen Sitzplatz zugewiesen. Getränke werden natürlich an den Platz gebracht. Ich komme mit einem Inder ins Gespräch. Er arbeitet als Engineer für die Eisenbahn. Seine Mutter brauchte ein Krebsbehandlung und die dazu nötige Maschine gibt es nur in Bangalore oder Delhi. Da er in der Nähe von Bangalore lebt wollte er die dortige Maschine nutzen, was jedoch daran scheiterte das das Gerät seit 2 Wochen defekt war. Jetzt ist er auf das mehrere tausend Kilometer entfernte Delhi ausgewichen – natürlich erfolgte die Anreise mit der Bahn. An dem Abend feierte er die erfolgreiche Behandlung seiner Mutter. Schließlich purzelte ich ins Bett.



Das rasende Pferdegespann - gesehen auf einer Riksha Tour

05.01. A cold welcome to Delhi

Um 05:00 aufstehen – 5:30 Frühstück auf dem Zimmer (Berge von Fruchtsalat und Trockenes – sehr trockenes Toast) – 06:00 der Hoteleigene Chauffeur Service bringt mich zum Flughafen

Die Landung in Delhi verzögert sich aufgrund von Nebel. Es ist nasskalt und ich suche den Airport Express Zug. Erfolglos. Ich bin am falschen Terminal – aber es gibt einen Verbindungsbus. Dieser kostetet erstaunlicherweise Geld und fährt auch mehr oder weniger in der Gegend herum und passiert eine Haltestelle des Airport-Express-Trains. Die Haltestelle sieht noch recht unfertig ist aber es gibt weitere Leute die Aussteigen. Perfekt was etwas nervt sind die Sicherheitsvorkehrungen. Röntgen-scanner für das Gepäck inklusive auspacken von Laptops und abtasten und und und. Der Lonely Planet empfiehlt ein Gebiet Nahe der New-Delhi-Central als Wohnort für die Bagpacker Massen. (Bazaar Road) Es ist früher Nachmittag und die Straßen quellen über vor Leben. Überall hupt und kreischt es. Vom Ausgang der unterirdischen Airport-Express Linie sehe ich den großen Bahnhof New-Delhi. Hier nimmt das Chaos noch einmal zu. Die Station New-Delhi und ihre ca. 20 Gleise liegen zwischen mir und meinem Ziel und es bleibt unklar wie man dort vorbeikommt. Schließlich überwinde ich mich und marschiere auf den Bahnhof zu.
Normaler Betrieb am Gleis


Auch dort Sicherheitsschleusen um überhaupt auf das Gelände zu dürfen. Diesmal jedoch passt niemand auf was man dort mit hinein nimmt, entscheidend ist nur das man durch den Scanner läuft und das Gepäck separat durch das Röntgen-Gerät geschoben wird. Letztlich erreiche ich die Bazaar Road.

Wie ein Spießroutenlaufen bewegt man sich über die Straße. Überall Hostels und Leute die einen in die unzähligen Hostels hineinziehen wollen. Ich versuche es beim Metropolis. Dieses wird jedoch renoviert – der Rezeptionist führt mich zu einem anderen Hotel des gleichen Betreibers. Kostet 2000 Rupies. Ich will weiter schauen. Der Typ bleibt bei mir – egal was ich sage. Er kommt einfach immer mit und erzählt mir welche Hotels man noch probieren könnte. Ich besuche 2 oder 3 mit Ihm und alle sind voll. Ich bin genervt – und glaube nicht daran, dass die Hotels wirklich voll sind. Ich muss diesen Typen loswerden.  Ich erzähle das ich einen Tee brauche und werde ihn irgendwie los. Sofort ist der nächste Typ da. Auch den Schüttel ich ab.


Ein anderes Hotel. Das Zimmer schäbig und sehr laut. Ich schaue mir ein weiteres Zimmer an. Noch lauter. Der Typ an der Rezeption will 1300 Rupies. Ich lehne ab. Er fragt was ich zahlen will. Ich biete maximal 1000Rupies. Er willigt ein. Ich sage, dass ich weiter schauen will. Er will das ich bleibe, wir hätten doch einen Deal. Ich sehe zu das ich weiter komme. Eine Nebenstraße mit der „Top-Choice“ vom Lonely Planet. Das Hotel ist netter – aber voll. Ich bleibe in der Nebenstraße und finde das Roxy-Hotel. Nachdem ich mir 4 Zimmer angesehen habe, die einigermaßen ruhig und einigermaßen sauber waren bin ich der Meinung nicht mehr weiter suchen zu wollen. Ich bleibe. Das Personal besorgt mir gegen etwas Geld Wasser und Toilettenpapier und ich fange an auszupacken. Aus einer Laune heraus prüfe ich das Bettgestell auf Bettwanzen. Bisher habe ich noch nie eine solche Probe gemacht – aber warum nicht. Etwas überraschend und wenig erfreulich war, dass sich ein ganzer Ungeziefer-Zoo im Bettgestellt eingenistet hatte. Ekelhaft, absolut ekelhaft. Sofort packe ich meine Sachen und stehe Sekunden später an der Rezeption zum Auschecken. Ich bin dann beim Bruder des Managers eingezogen J. Klar direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite – Im Pearl Plaza Hotel. Definitiv sauber und ruhig – für 1000 Rupies. Der Typ mit dem Ungeziefer Problem war übrigens in keinster Weise betrübt oder unglücklich. Während meiner Zeit in Delhi war er immer für ein Schwätzchen zu haben und sollte mir später noch einige Tipps für Kerala geben – woher er stammt und wo ein Onkel ein Hotel betreibt – usw. usw.
Im weiteren Verlauf des Tages bin ich in Conaught herumgelaufen und habe dort u.a. Paneer Tikka gegessen. Paneer ist ein milder indischer Käse der ein wenig wie Schafskäse aussieht und in diesem Falle im Ofen gegrillt wurde. (Lecker…)
Lecker...

Der Nachmittag wurde mit einem Besuch im Gandhi-Smitri (Ort an dem Gandhi ermordert wurde) Verbracht.

Ghandi Smitri im Nebel


Hinweg mit einem Tuk-Tuk. Zurück wollte ich die Metro nutzen – habe nur leider die Station nicht gefunden und die Einheimischen haben alle möglichen Wege gezeigt – nur keinen der an der Station geendet wird. Als ich endgültig nicht mehr weiss wo ich eigentlich bin, hat mich eine Fahrrad Rikscha zur nächsten größeren Kreuzung gebracht die ziemlich genau am Startpunkt meiner Wanderung am Gandhi Smitri lag. Hmm, also Tuk-Tuk nutzen. Es wurde langsam dunkel – einige Kinder betteln mich an – werden dabei immer bedrängender – fast handgreiflich. Ein Tuk-tuk Fahrer fährt vorbei und scheint die Szene zu beobachten. Er hält an und ich spurte kurzerhand zu ihm. Er hat schon zwei Passagiere -  der Gastraum ist voll. Er bedeutet mir das ich auf den Fahrersitz zu ihm soll. Das funktioniert – und ab jetzt muss ich beim Links abbiegen brav links aus dem Tuk-Tuk winken.
Auf der Suche nach einem Abendessen nervt mich ein Typ der schon am Nachmittag auf mich eingeredet hat. Er will mich durch die Stadt führen und erzählt alles Mögliche über die Stadt. Er bittet mich irgendwann ob ich nicht zum Schein mit ihm zu einem Shop gehen könnte und dort für 5min irgendetwas anschauen. Dann würde er für seine Familie etwas zu essen bekommen. Ich gehe darauf ein und sehe mir einige Minuten lang verschiedene Indische Kleider an. Recht hübsch. Der Verkäufer ist sehr gut und schafft es meinem Geschmack entsprechende Kleider zu finden. Dann lässt er auch so ziemlich nichts unversucht um mich zum Kaufen zu bringen. Schließlich habe ich keine Lust mehr und verlasse den Laden um in einem kleinen Cafe meinen Vegetarisches Abendessen einzunehmen. Nicht besonders gut, aber ok.


Stückgutlager - Bodenlagerung - Bahnhof New-Delhi

"Müllplatz mit Hunden" - Bahnhof New-Delhi

Freitag, 6. Januar 2012

Kurze Abwesendheit....

Ich werde morgen Agra und das Taj-Mahal besuchen... am Sonntag geht es dann heraus aus dem kalten Delhi auf die warmen Andamanen. Leider gibt es auf der Insel die ich ansteuern werde kaum oder kein Internet d.h. ich werde frühestens am 15. oder 16.01 wieder Internet zur Verfügung.

Aber die letzten Posts sind ja auch recht lang und ausführlich ausgefallen :-) damit es genügend Lesestoff gibt.

Knut

04.01.2012 Bangalore touristisch gesehen


Silk dreams
Ich versuche es erneut mit dem frühen aufstehen und es funktioniert deutlich besser. Dafür herrscht im Frühstücksraum jetzt das Chaos vor. Viele Gäste – einige kenne ich zumindest der Stimme nach.
In den Zimmern neben mir und um mich herum ist eine indische Familie eingezogen, diese diskutiert leidenschaftlich gerne miteinander. Da sich geschlossene Hotel-Zimmertüren bei Diskussionen als Hinderlich erwiesen haben – öffne man einfach die Türen – jetzt gelingen auch Gespräche über die Zimmergrenzen hinweg. Alternativ kann man sich auch auf dem Flur treffen. Nun bin ich die intimsten Familiengeheimnisse eingeweiht, kann aber rein gar nichts dazu sagen, da die Familie einen indischen Dialekt genutzt hat. Beim Frühstück wurden mir die Gesichter zu den Stimmen präsentiert.
In europäisches Gesicht saß leicht abwesend sein Frühstück verspeisend und offensichtlich wenig an Gesprächen interessiert im Saal herum. Ich suchte mir einen Platz und frühstückte. Beim nachholen einiger Spezialitäten war ich dann eine Spur zu langsam und kehrte an einen blitzsauber aufgeräumten Tisch zurück an dem sich Teile (Vater und Kind) einer indischen Familie niedergelassen hatte. Der Tisch bot noch genügend Platz, also setzte ich mich wieder um meine Kleinigkeiten zu verspeisen. Kurze Zeit später tauchte die vermutliche Mutter auf. Sie realisierte die Situation und fragte ob es mein Tisch sei, und ob sie gehen sollten. Ich erklärte, dass wir den Tisch gerne teilen könnten, sie ließ sich jedoch nicht davon abbringen, dass sie an einen anderen Tisch ziehen. So saß ich schnell wieder alleine an meinem Tisch. Kurz darauf war ich auf der Reise zu meinem ersten Ziel dem „Bangalore Palace“.
Soldaten üben das Marschieren... am 26.01. republic day


Bangalore Palace
Der Palace wird am besten über eine Rikscha erreicht. Kostet ca. 70 Rupien und beinhaltet viele kleine Seitenstraßen damit man nicht im Stau herumsteht. Nebenbei ein unglaubliches Hupkonzert. Der Palast ist durch den Windsor Palace inspiriert und touristisch voll erschlossen.
Bangalore Palace
Bis auf den Fakt das sich kaum Touristen an den Ort verirrt haben. Das Eintrittsgeld plus Fotokamera Gebühr summieren sich zu 1000 Rupien(!) ca. 14 Euro. Der Audioguide spricht dafür sogar deutsch und die Führung ist sehr gut gemacht. Das Königshaus von Mysore hat in diesem Schloss zeitweise Hof gehalten und gewohnt.
Man beachte die Füße der Ständer für die Krüge

Knut im Festsaal

Ein absichtlich orientalisch wirkender Innenhof

Die Ausstellung gibt einen guten Einblick in das Privatleben der Königsfamilie. Die original Möbel stehen offen herum – und man kann sich ungehindert bewegen.
3 Frauen
Eines von vielen Freizügigen Bildern

Die Terrier-Lampe

Konsequenter weise führt einen der Weg auch durch das offzielle Büro des Managements, mit anwesenden Managern die ihrer Arbeit nachgehen. Da hat man durchaus Hemmungen die Kollegen bei der Arbeit zu stören – allerdings ist der Weg durch das Büro die einzige Möglichkeit die Tour zu beenden. Wer möchte kann sich mit Pferden und einer Kutsche durch das Gelände bewegen lassen. Die Offiziellen verstehen sich eher auf die Benutzung von BMW Fahrzeugen die im Eingangsbereich stehen.
Der BMW in der Toreinfahrt


HAL Aircraft Museum
In Bangalore gibt es eine lange Tradition für eine Luftfahrzeugproduktion. Verantwortlich ist die HAL (Hindustan Aeronautics Limited) die ein Museum betreibt. Dieses befindet sich in der Nähe des alten Airports. Der Rikscha Fahrer scheint das Museum nicht zu kennen, aber lässt sich auf 90 Rupien ein. Er fährt und fährt und fährt – schließlich erreichen wir die HAL Total-Mall. Das ist offensichtlich der letzte bekannte Punkt den der Fahrer kennt – leider will ich nicht aussteigen. So beginnt die Reise in die „Rural“ areas. Ab jetzt fragt er regelmäßig wie weit es noch ist und erfährt genauso regelmäßig das es noch weit ist. Immer geknickter sitzt der Mann hinter seinem Lenker und wiederholt mantra-artig far-far-far away. Beim 3. Oder 4. Nachfragen kehrt er grinsend zurück, fährt noch 200m und hält sehr erleichtert am Museum an.

Ich gebe ihm 120 Rupien und er zieht glücklich seine Wege. Das Museum ist nett aufgebaut. Es veranschaulicht die Geschichte von HAL die diverse Flugzeuge in Lizenz gebaut haben, häufig auch Kampfflugzeuge. Auffällig ist das sowohl amerikanische als auch russische Flugzeugtypen vertreten waren. Weiterhin wurden eigenverantwortlich Kampfjet-trainingsflugzeuge gebaut. Für Airbus werden Türen für den A320 zugeliefert. (Vielleicht auch wurden – das ist nicht so genau dargestellt. Viel Wert wird großformatige Fotos gelegt die die Ahnengalerie der Chefs und Chefentwickler mit diversen wichtigen Gästen wie Staatschefs und Kunden zeigen. Ebensowichtig und ebenso mit großforamtigen Schautafeln wird die allgemeine Entwicklung der Flugzeugindustrie dargestellt um das Unternehmen und seine Produkte dort einzuordnen. Der A380 hat sogar einen eigene Schautafel bekommen.
...Important milestones of HAL.

Die Sicht von HAL auf den A380

Die DOVE oder auch DEVON gebaut von HAL designed by De Haviland

Knut vor einem "Light combat Aircraft" Erstflug 2001

Ein anderes für mich sehr wichtiges Ziel war der Besuch der lokalen Cafeteria, leider wird dieses Thema vom HAL-Museum sehr vernachlässigt. Eine Packung Oreo-Kekse war das attraktivste Angebot. Zwei Kekse später hatte ich mich entschieden zur „Total-Mall“ zurückzufahren und dort nach einem Mittag zu suchen.
Die Total-Mall war etwas besser sortiert, aber leider nur wenn man auf Fast-Food steht. Nach 3x maliger Besichtigung aller Angebote wurde es ein Mc-Donalds Menu.
...Endlich eine fotogene Kuh. Gesichtet vor der Total Mall


Busfahren in Bangalore
Aus mir noch unerklärlicher Abenteuerlust wollte ich die Rückfahrt im Bus antreten. Alle Busse haben Numern – gut – leider gibt es keinen Fahrplan – schlecht. Weiterhin zeigt jeder Bus sein Ziel=Endhaltestelle an – gut – leider ausschließlich in indischen Buchstaben – blöd wenn man in dem Gebiet ein Analphabet ist. Dann besteht noch die Frage bei welcher Haltestelle man aussteigen möchte, hier wird es nachhaltig schwierig. Als Ziel habe ich also einfach die sogn. MG-Road angegeben. Das ist eine große (und nicht zu lange) Straße von der die Brigand Road in der mein Hotel liegt direkt abzweigt. Der erste Busfahrer war zuversichtlich das er zur MG-Road fährt. Die Strecke war recht lang und der Bus füllte sich und füllte sich. Ich stand irgendwann im letzten Drittel und konnte mich kaum bewegen. Der Gang in diesen Bussen ist so bemessen, dass sich eine schmale Person gerade so normal vorwärts bewegen kann. Die Sitzreihen sind natürlich so eng bestuhlt, dass man dorthin nicht wirklich ausweichen kann. Bisher hatte ich erwartet, dass zur Stadtmitte hin die Leute wieder aussteigen und war entsprechend überrascht als mehrer Gäste mir vehement Zeichen gaben. Zeichen? Wofür? Warum? Es waren welche die wohl mitbekommen hatten wo ich aussteigen wollte und die mir bedeuteten auszusteigen. Gut nur wie? Schlängeln, quetschen, noch mehr schlängeln und viel Kooperation aller Mitreisender und ich war tatsächlich draußen. Von außen sah der Bus noch voller und desolater aus, als von innen.
Der gut gefüllte Bus. Gleich muss ich aussteigen

Jetzt wäre es sehr sehr gut gewesen, wenn ich auch noch gewusst hätte wo ich wirklich bin. Das war aufgrund fehlender Straßenschilder schwer herauszufinden. Letztlich war es in der Nähe der MG road und ich habe sicher nach Hause gefunden.

Frisörbesuch
Bangalore hat üppige 30 Grad und so musste ich dringend einen Frisör besuchen. Kein Problem das freundliche Hotel wusste Rat und so wurden die Haare geschnitten und eine kleine Massage gab es noch dazu.

Abendessen an der Straße
Mein Abendessen habe ich an diversen Straßenständen eingenommen. Momo – sind so etwas wie dim sum – mit scharfer Würzsoße. Ein Chicken roll – ist eine sehr kleine Ausgabe einer Türkischen Pizza als Teig – gefüllte mit vielen Gewürzen und mariniertem Hühnchen. Feurig.  
Ein Wein und dann noch ein paar Fotos
Es gab noch etwas Wein zum Abend und eine kleine Fotosession – bevor ich am nächsten Tag nach Delhi aufgebrochen bin.

Mittwoch, 4. Januar 2012

03.01. Awake again


07:00 der Wecker klingelt um gefühlt mitten in der Nacht. (Zeitunterschied zu Deutschland minus 5:30 Stunden) ich stelle den Wecker auf 08:00 vor, nur um immer noch m Ich bin weiterhin Müde und stehe auf. Das Frühstücksbuffet ist überraschend umfangreich. Es bietet Cornflakes, Milch, Früchte wie Papaya und Wassermelone. Begeistert beginne ich meine Mahlzeit. Dazu gibt es unglaublich starker Kaffee. Nur keine Lonely Planet Touristen. Irgendwann fällt auch mir auf, dass es in der Mitte des Raumes noch ca. 10 große metallene Warmhaltekästen gibt, so wie man sie von Catering Diensten kennt. Wow – was da wohl drin ist?
Curry, Curry, Curry, gebackene Tomaten und 5 verschiedene indische Brotsorten. Einige kenne ich noch aus Malaysia und vor allem gibt es auch noch die mysterösen 3 Soßen.
Ich erinnere mich lebhaft daran, dass wir 2002 in Malaysia einen Lieblingsinder hatten. Bei diesem wurde auf einem Bananenblatt und mit den Fingern gespeist und es gab eine unglaublich Menge leckerer Brote. Eines der Highlights war das Roti-Tissue – dabei handelt es sich um ein sehr dünnes Brot das auf die Größe eines Kopfkissens aufgeblasen an den Tisch geliefert wird. Dort hat man als Gast die Ehre die dünne Hülle des Brotes mit den Fingern einzureißen. Die Luft entweicht das Brot erschlafft und schließlich liegt es ganz flach vor einem. Soweit so gut. Jetzt schmeckt trockenes Brot sicherlich sehr gut, allerdings gibt es durchaus noch Potential zur Verbesserung zum Beispiel mit einem leckeren Dip. Dieses Geheimnis der drei Soßen ist, dass es 3 Dips sind die das Brot erst zum größten Genuss machen. Der hellste Dip ist von weißer Farbe und erinnert mit einem leichten und nussigen Geschmack an Humus (Kichererbsenpaste). Die etwas dunklere Variante dieses Dips ist schärfer und könnte Sesam enthalten. Dann gibt es noch den roten fast ins dunkelrot gehenden Dip der mit Abstand die würzigste oder auch schärfste Wahl darstellt.
Zumindest tauchten diese 3 Dips nun beim Frühstücksbuffet wieder auf. Ich war so erfreut, dass es mir zunächst egal war, wie ungewöhnlich dieses Essen zu so früher Stunde war.

Das Hotel wird verlassen
Ich stehe auf einer sehr belebten Straße und soll in irgendwelche Tuk-tuks einsteigen. Ich verzichte dankend und laufe etwas die Straße herunter. Überall hupt es – die Menschen bewegen sich langsam – die Autos auch. Die Geschäfte reihen sich aneinander – allerdings nicht nur nebeneinander sondern auch Übereinander. Vom Fussweg aus muss man einige Stufen herabsteigen, um die leicht zurückversetzen Gebäude und dort die Kellergeschosse zu erreichen. Ist das Gebäude leicht zurückgesetzt, dann sind die Läden im Erdgeschoss ebensowenig direkt vom Fussweg erreichbar. Zum einen weil das Haus nicht an den Fussweg grenzt – zum Anderen aber auch weil die Läden eigentlich im Hochparterre liegen. Das heisst man klettert einige Stufen hinauf. So kommt es das man Fussweg aus das Gefühl hat in der Mitte vom Nichts zwischen den beiden Geschäftsebenen zu laufen. Die Verwirrung wird komplett wenn es jetzt einige Gebäude gibt die zurückgesprungen sind  - andere Gebäude jedoch am Fussweg beginnen. Die Gebäude am Fussweg sind wiederum sehr sehr schmal und die dortigen Läden haben bis zu 4 Stockwerke (Treppe laufen). Wer es nicht geahnt hat, die Brigand road scheint einer der(!) Einkaufsstraßen zu sein. Ein Mikrokosmos an den man sich gewöhnen muss.
Moto-Rikscha

Der Postbote!

Ich laufe die Straße weiter und weiter. Auf dem Weg wird eine 2Liter Flasche Wasser erstanden. Eine sehr gute Investition. Ich bin schnell erschöpft und schaue auf meine Straßenkarte. Mein eigentliches Ziel ist der Cubbon Park – ich bin jedoch zu weit südlich und brauche einige Zeit bis ich endlich den Park erreiche. Inzwischen ist mir – in der brennenden Sonne stehend - aufgefallen das ich mir gar keinen Sonnenschutz gegönnt habe. Gut, so etwas habe ich ja auch ca. 1,5 Jahre nicht benötigt. So wird ich zum schattensuchenden Wesen und schleiche durch den Cubbon Park. Das Gelände wurde ähnlich angekündigt wie der Central-Park in New York. Ich würde es eher mit einem renaturierten Central Park vergleichen. Die Einwohner von Bangalore beschweren sich in den Tageszeitungen sehr darüber das die Pflege des Parks vernachlässigt wird. Das kann ich nur bestätigen.
Verliebte und ihr Baumtatoos im Cubbon Park

Ich war recht enttäuscht und wurde erst wieder aufgeheitert als die National Library in Sicht kam. Das Gebäude ist sehr schön und ich konnte – aus reichlich vorhandem Schatten – Fotos schießen.


Die Sonne und die Lustlosigkeit weiter durch den Park zu laufen führten mich direkt in das nahe gelegene „Technik Museum“. Eintritt 20 Rupien (=0,29 Euro). Da waren meine Erwartungen schon vor dem Besuch gedämpft.
Die Replika des ersten Motorflugzeugs von Mr. Wright

Es war auch eher ein Familienmuseum mit dem Schwerpunkt darauf Kinder spielerisch Naturwissenschaft zu vermitteln. Gut ausgesuchte Experimente nur nicht ganz meine Alterstufe.
Eine der Ausstellungshallen im Technik Museum

Besucherumfrage zur Gentechnik: "Ist es Sicher genetisch veränderte Lebensmittel zu essen?  - Ja : 311 Stimmen - Nein: 158 Stimmen

Der Besuch in der 3D Show war auch Kindgerecht. Viele computeranimierte Tiere die zeigen wie wichtig es ist die Natur zu schützen.  Dann entdecke ich im 4.OG = auf dem Dach die Kantine und das ist der eigentliche Geheimtipp warum man das Museum besuchen sollte. Für sehr wenig Geld (50 Rupien = 70 Cent) erhält man ein „Meal“.
Das "Meal"
Vielerlei Gewürze, Reis und Brote sogar etwas Joghurt ist dabei. Das alles in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre. Der stressige Vormittag fällt langsam von mir ab.
Es gibt noch weitere Touristen - und sie sind gemeinsam auf Safari
Ich wandere zurück und lege mich völlig erschöpft einige Zeit hin. Dann besuche ich die nahe gelegenen Einkaufsläden und bin über das Preisniveau positiv überrascht auf meiner Wanderung entdecke ich das Cafe Pascucci. An diesem Ort gibt es kostenloses Wifi und Wein – der Perfekte Ort für die abendliche Blogging Runde.

Abendessen gibt es bei Nando’s eine Kette die ich aus Malaysia kenne und lieben gelernt habe. Marinierte und scharfe Hänchenteilchen. Allerdings - mit Nachtisch und Getränk kann man leicht 800 Rupien (ca. 11 Euro) bezahlen - aber keine Angst - der Laden kommt auch bei den Bewohnern der Stadt sehr gut an. Dann geht es ins Pascucci. Ein sehr empfehlenswerter Ort. Dann ins Bett – auch ein sehr empfehlenswerter Ort.

Dienstag, 3. Januar 2012

02.01.2012 Die Reise beginnt


01:00 Der Wecker steht auf 04:00 Uhr. Ich bleibe wach und werde die Minuten herunterzählen. 180….179….178…..177….tzzzzzzzz

03:45 „pfing-kling“ e-mail am Ipad. Ist es das Hotel in Bangalore? Ich hatte im early-check-in gebeten.

04:00 Das Handy klingelt. Aufstehen. Ich bin müde. Die 05:06 Uhr S-Bahn ist mein Ziel…und ein Müsli mit Milch.

05:00 Ich erreiche pünktlich den S-Bahn-hof Bahrenfeld. Zu Fuss bei 13 Grad es hat gerade aufgehört zu regnen. Ich bin hellwach und fühle mich fit. Die Wirklichkeit meldet sich zurück – 5:11 zeigt die Bahnhofsuhr. Ich glaube nicht dran. Auf dem Bahnsteig die nächste Uhr. Wieder 05:11 Uhr. Ich Fluche aufs alte Handy.
Ein Display zeigt an, dass der nächste Zug in 5min. fährt. Egal wie viel Uhr es ist.  Analytisch prüfe ich das Intervall der S-Bahn und finde hersaus -  um 05:16 fährt kein Zug. Also gehen alle Bahnhofsuhren gleich und auch gleich falsch. Frohes neues Jahr.

09:30 Paris zwischen den Terminals 2D-2C




09:45 Paris – duty free shop – Terminal 2C. Indien soll einen ganz eigenen Geruch haben. Ich will gegenhalten und suche nach dem passenden Duftwässerchen. Kein Sale – keine Sonderangebote. Auch nicht nach Weihnachten. Bisher hatte ich die teuren Flakons als Luxusgut gesehen. Ich fühle mich jetzt aber eher an Benzin erinnert. Überall sehr teuer – und unverzichtbar.

09:52 In meiner Hand ein grüner Flakon, er ist wie für meine Reise gemacht. Es riecht nach Abenteuer. Kaum ist es auf der Haut entwickelt es einen, wilden ungestümen und ziemlich unharmonischen Duft. Ich schrecke zurück. Wenige Sekunden später legt sich die Aufregung, Entspannung setzt ein. Relax steht auf der Packung. Ein Krokodil windet sich wohlig herum und ich freue mich noch ein Stückchen mehr auf die Natur in Indien.

09:53 Boarding nach Bangalore. Air France – ein Airbus A340 soll mich sicher nach Bagalore bringen.


Auf dem Flug Das Personal ist sehr gut und die Stimmung in der Crew offensichtlich heiter. Zeitung lesend verbringe ich die ersten Stunden und genieße einen französischen Rotwein als Aperitif. Eine gute Wahl nur mein leerer Magen war etwas entsetzt. Zusammen mit der verstärkten Alkohol Wirkung war ich froh als endlich die Hauptspeise gereicht wurde. Die Filmauswahl von Air-France hält leider nicht das Niveau der Verpflegung, so dass ich schließlich begann meinen Reisebericht zu schreiben.

Incredible India „The immigration office welcomes you” Meine Air-France Maschine ist respektable 20min zu früh gelandet. Die Immigration officer sitzen in ca.20 Schaltern in einer großen Halle, in der Accenture seinen Wahlspruch „High performance. Delivered“ übergroß plakatiert. Die Regierung hält mit „The immigration office welcomes you“ dagegen. Die Officer hatten ihre Sorge mit zwei extrem langhaarigen und etwas konfus wirkenden Europäischen Gästen. Hier übernahm dann ein „Supervisor Officer“ der offensichtlich als Springer dient wenn es zu Schwierigkeiten kommt. Sehr geschickt, um das „high performance stempeln“ der normalen Officer nicht zu stark zu stören. Eine jüngere Einreisende trat an den Officer, wurde allerdings nicht einmal richtig angehört, schon hatte der plötzlich gestreng wirkende Officer, die Dame von seinem Schalter zurück in die Reihen der Wartenden verwiesen. Ich schaute mir die Dame an und ihre Hand oder eher der mit Eselsohren und Knicken verschandelte Einreise-Zettel in ihrer Hand waren des Rätsels Lösung. Merke - unordentliche Einreisende sind unerwünscht. Wenigen Minuten später hatte ich bis in den Airport Bus geschafft und dabei noch Bargeld gezogen und natürlich mein Gepäck in ansehnlichem Zustand in Empfang genommen.

The middle of nowhere in the middle of a night Leider fuhr der Bus nicht ganz bis in die Nähe meines Hotels so dass ich um 02:00 Uhr nachts durch das menschenleere – wirklich Menschenleeren – Bangalore laufen musste.





Straßenhunde waren mit Revierkämpfen beschäftig, ließen mich aber in Frieden meiner Wege ziehen. Irgendwann wurde mir die Lauferei etwas unheimlich und vor allem schien der nette Busfahrer unter ca. 1km bis zum Hotel etwas anderes zu verstehen, als ich. Immerhin wurde die Gegend langsam belebter und einige Motor-Rikscha Fahrer boten ihre Dienste an. Ich bot 50Rupien sie wollten 100 Rupien. Ich wollte nicht – die Kollegen erschienen mir zu schmierig. Einige Meter weiter standen Taxifahrer beim Palavern. Sie boten Ihre Dienste für 300 Rupien an -  ich bot 100Rupien. Ich gelangte im bequemen Taxi zum Monarch Hotel in der Brigand Road.
Der Flakon und ein wenig Fantasie

Im Hintergrund sieht man das The Monarch Hotel


Das Hotel ist gut – vielleicht sogar sehr gut. Ich kann es ja noch nicht einschätzen. Zumindest ist das Zimmer geräumig und geschmackvoll. Ein kostenloses Frühstück von 07:00-10:00 motiviert zum frühen Aufstehen.

01.01.2012 – Der Aufbruch zum Dinner for one


Happy new year. Eine wundervolle Feier in im hohen Norden hat das neue Jahr eingeläutet. Viele Freunde die man zum Teil länger nicht gesehen hat und mit denen man noch viel Länger nichts Gemeinsames unternommen hat. An diesem Abend haben wir in fantastisches 3-5 Gänge Menu gekocht. Das Menu hat die Mithilfe von 7 Personen und 2 Küchen erfordert und da es auch so war das die 7 Köche auch die 7 Genießer waren – konnten wir gar nicht genug von unseren Kreationen bekommen. Unsere Schlemmerreise führte uns gegen 23:30 zum Nachtisch um dann direkt in den Neujahrschampagner überzugehen.

Der Neujahrsgruss und das Abbrennen einiger Wunderkerzen leuteten dann schließlich mit einigen Berlinern den wirklich letzten kulinarischen Gang ein und früh am Neujahrsmorgen wurde dann auch das Dinner for one in der klassischen und der „Bernd das Brot“ Variante konsumiert. Den weiteren Verlauf des Abends erläutere ich lieber nicht – aber es war schräg und laut.

14:30 erstaunt stelle ich fest das der Bäcker am Lidl geschlossen ist. Ich glaube es ist der erste Tag wo dieser Garant für Service geschlossen ist. Hmmm, zu hoch gepockert. Denn der Lidl befindet sich direkt an der Wohnung in der ich dringend mit dem Packen beginnen sollte. Die Nacht wird kurz.

16:30 Ich habe das Gefühl zu ertrinken. Auspacken, Einpacken, Umpacken, Suchen, wegräumen, zwischenparken. Ich habe keine detaillierte Packliste für Indien. Unruhig fülle ich mein Bett mit allerlei Zeug und fürchte immer noch mehr zu vergessen als einzupacken.

17:30 Eine Tüte für Müll und eine To-do Liste hat meinen Geist geklärt. Ich komme besser voran.

18:30 Probewiegen. Grosser Rucksack und Tagesrucksack bringen zusammen 17 Kilo auf die Wage. Zu viel für meinen Geschmack. Und es fehlt noch die Regenhülle für den Rucksack. Ich wiege den Tagesrucksack. Hmm – 3 kg und entscheide das ich nicht mehr weiter aussortiere.

19:00 Ulrike holt mich ab. Das letzte mal Rindfleisch. Jim Block schürt den dringenden Verdacht das ganz Othmarschen zum letzten mal Rindfleisch essen muss. Das beliebte Spiel „Postschalter zu Weihnachtszeit“ wird in einer Neuauflage gegeben. Zum Glück mit Happy end und beeindruckendem Tempo in der Vorführung.

20:30 Weiter am Vorbereiten. Die Kontakte von meinem ipad müssen noch schnell mit googlemail synchronisiert werden.

00:00 Geschafft – im doppelten Sinne. Jetzt bin ich so aufgedreht das an zu Bett gehen nicht zu denken ist.